German article, 19 March 2005 by Sillvie Domann. (Downlad PDF)
Gesundheitsregion Segeberg auf dem Weg zur Telemedizin-Hochburg: Hilfe durchs Telefon (von Silvie Domann)
Elektronische Gesundheit – Die Segeberger Telemedizin will die Therapie bei Herz- / Kreislauferkrankungen verbessern und mithilfe des Pilotprojekts „E-Health for Regions“ eine Vernetzung von Herzzentren in der Ostseeregion vorantreiben.
Bad Segeberg – Heftige Stiche in der Herzgegend: Beunruhigt fährt Sirpa Suomalainen zu ihrem Familienarzt Matti Ylisalmi ins 30 Kilometer entfernte Ukonjärvi (Finnland). Dort legt ihr der Arzt sofort ein Tele-EKG an. Das Gerät ist handgroß und misst den Herzrhythmus an drei verschiedenen Körperstellen. Dann wählt er die Telefonnummer der Telemedizin im Herzzentrum Bad Segeberg und legt das Tele-EKG aufs Telefon. Die Pfeiftöne werden von einem Computer in der Telemedizin in eine EKG-Kurve umgewandelt.
Diese wird sofort per Email ans nationale Herzzentrum in Finnland geschickt. Das alles passiert innerhalb von 60 Sekunden. Der finnische Herzspezialist wertet das EKG aus, ruft Ylisalmi an, um sich weitere Patientendaten geben zu lassen. Dann kann Sirpa Suomalainen behandelt werden. Was wie Zukunftsmusik klingt, ist das Ziel des europäischen Pilot-Projekts „E-Health for Regions“ in Bad Segeberg. 17 Partner aus sieben Ostsee-Anrainerstaaten sind seit Juni 2004 in dieses Programm eingebunden“, erklärte Dr.-Ing. Klaus Westphal, Verantwortlicher des Regionalmanagements im Kreis Segeberg auf der gestrigen Pressekonferenz im Vitalia Seehotel in Bad Segeberg. Mit dem Programm wollen die beteiligten Partner die Ungleichgewichte in der medizinischen Versorgung zwischen städtischen und ländlichen Regionen beseitigen. „Gesundheit für alle“ heißt die Devise. Die Gesundheitsregion Segeberg habe dabei eine Vorreiterrolle übernommen. Sie sei nicht nur sehr patientenorientiert, sondern auch ökonomisch wichtig. „Mit 9000 Arbeitsplätzen ist der Gesundheitssektor die zweitstärkste Branche im Kreis“, erklärte Kreispräsident Winfried Zylka. Die Segeberger Telemedizin gibt es seit zwei Jahren. „Das Projekt ist eine nationale Herausforderung für uns, eine ganz neue Dimension“, sagte Geschäftsführer Werner Smidt. In Zusammenarbeit mit dem Herzzentrum läuft zurzeit eine Studie zum Einsatz des Tele-EKG.
1600 beim Herzzentrum registrierte Patienten haben solch ein Gerät und können sich jederzeit melden. „Von den eingehenden Notrufen können 85 Prozent der Anrufer beruhigt werden. Für die restlichen 15 Prozent werden sofort therapeutische Maßnahmen eingeleitet“, ergänzte Smidt. Auch Henning Bruun-Schmidt, Direktor Sundhedsforvaltningen in Viborg (Dänemark), ist begeistert vom elektronischen Gesundheitsprogramm. „Mit ‚E-Health’ sind wir technisch in der Lage, in kürzester Zeit medizinische Informationen mit unseren Partnerländern auszutauschen.“ Kommunizierten bisher Fachärzte mit Hausärzten und Hausärzte mit Kliniken auf Fax-Ebene, soll dies nun auf elektronischem Weg verlaufen. „So träume ich davon, für meine Patienten auf Knopfdruck ein Krankenhausbett bestellen zu können“, erklärte Dr. med. Uwe Denker, einer der zwölf Ärzte in Segeberg, die am Pilotprojekt teilnehmen.